Phasen

Die vier Zyklusphasen von Menstruation bis Lutealphase

Menstruation, Follikelphase, Eisprung und Lutealphase verständlich erklärt: Was Östrogen, LH und Progesteron bewirken und wie sich die Phasen anfühlen.

Lesezeit 9 Min. Aktualisiert 19.10.2026 5 Quellen Jan-Tristan Rudat Jan-Tristan Rudat
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Wichtiger Hinweis: Redaktioneller Inhalt, keine medizinische Beratung. Die Berechnung von Eisprung und fruchtbaren Tagen ist eine statistische Schätzung und keine zuverlässige Verhütung. Bei Kinderwunsch oder Verhütung wende dich an deine Frauenärztin oder deinen Frauenarzt.

Der Menstruationszyklus ist kein Schalter, der monatlich umgelegt wird, sondern ein fein abgestimmtes Wechselspiel aus drei Hormonen. Von der ersten Blutung bis kurz vor der nächsten verändern sich Gebärmutterschleimhaut, Eierstöcke und sogar das Körpergefühl in einem nachvollziehbaren Muster. Wer dieses Muster kennt, versteht besser, warum sich manche Tage anders anfühlen als andere und warum ein Zyklusrechner nur Wahrscheinlichkeiten und keine Gewissheiten liefern kann. In diesem Artikel gehen wir die vier Phasen der Reihe nach durch: Menstruation, Follikelphase, Ovulation und Lutealphase.

Phase 1: Die Menstruationsphase (etwa Tag 1 bis 5)

Der erste Tag der Blutung ist per Definition Tag 1 des Zyklus. Das klingt zunächst widersprüchlich, weil die Periode wie ein Ende wirkt. Aus hormoneller Sicht ist sie aber ein Neuanfang: Weil im vorangegangenen Zyklus keine Einnistung stattfand, fallen Östrogen und Progesteron ab, und die zuvor aufgebaute Gebärmutterschleimhaut wird abgestoßen. Genau das ist die Menstruation.

Die Blutung dauert zwischen zwei und sieben Tagen, meist etwa fünf. Der gesamte Blutverlust liegt dabei meist bei etwa 30 bis 60 Millilitern, auch wenn er subjektiv nach deutlich mehr aussieht. Über 80 Milliliter gelten als starke Blutung und sollten ärztlich besprochen werden. In dieser Phase sind die Hormonspiegel niedrig, viele berichten von einem Energietief, Unterleibskrämpfen oder einem erhöhten Ruhebedürfnis. Gleichzeitig beginnt im Hintergrund bereits die nächste Reifungsrunde: Die Hirnanhangsdrüse schüttet das follikelstimulierende Hormon (FSH) aus und regt mehrere Eibläschen in den Eierstöcken zum Wachsen an.

Phase 2: Die Follikelphase (bis zum Eisprung)

Die Follikelphase überlappt zeitlich mit der Menstruation und reicht bis zum Eisprung. Sie ist nach den Follikeln benannt, den flüssigkeitsgefüllten Eibläschen, in denen je eine Eizelle heranreift. Unter dem Einfluss von FSH wachsen anfangs mehrere Follikel, doch in der Regel setzt sich einer durch, der dominante Follikel. Die übrigen bilden sich zurück.

Der reifende Follikel produziert zunehmend Östrogen. Dieses Hormon ist der eigentliche Motor der ersten Zyklushälfte. Östrogen baut die Gebärmutterschleimhaut wieder auf, verändert den Zervixschleim hin zu einer spinnbaren, durchlässigen Konsistenz und sorgt bei vielen für mehr Antrieb und bessere Stimmung. Die Follikelphase ist auch der Teil des Zyklus mit der größten Schwankungsbreite. Sie kann bei kürzeren Zyklen knapp eine Woche dauern, bei längeren deutlich über zwei Wochen.

Phase 3: Die Ovulation (der Eisprung)

Wenn der Östrogenspiegel einen Schwellenwert überschreitet, kippt die Steuerung: Die Hirnanhangsdrüse antwortet mit einem steilen Anstieg des luteinisierenden Hormons, dem sogenannten LH-Anstieg. Rund 24 bis 36 Stunden nach diesem Anstieg platzt der reife Follikel und gibt die Eizelle frei. Das ist der Eisprung.

Die Eizelle ist danach nur etwa 12 bis 24 Stunden befruchtungsfähig. Weil Spermien im günstigen Zervixschleim aber mehrere Tage überleben können, umfasst das fruchtbare Fenster sechs Tage: die fünf Tage vor dem Eisprung und den Eisprungtag selbst (Wilcox et al. 1995). Manche bemerken den Eisprung als kurzen, einseitigen Ziehschmerz, den sogenannten Mittelschmerz, oder an einer kleinen Veränderung des Zervixschleims. Verlässlich spürbar ist er aber nicht.

Nicht der Kalender bestimmt den Eisprung, sondern die Hormone. Der Kalender kann ihn nur schätzen.

Ein häufiges Missverständnis ist die Annahme, der Eisprung finde immer an Tag 14 statt. Das gilt nur für einen idealisierten 28-Tage-Zyklus. Tatsächlich liegt er individuell früher oder später, bei einer Zykluslänge von 35 Tagen rechnerisch erst um Tag 21. Genau deshalb arbeitet ein Zyklusrechner mit Durchschnittswerten und kann das tatsächliche Datum nur näherungsweise treffen.

Phase 4: Die Lutealphase (rund 12 bis 14 Tage)

Nach dem Eisprung verwandelt sich der zurückgebliebene Follikel in den Gelbkörper, lateinisch corpus luteum, daher der Name Lutealphase. Der Gelbkörper produziert nun vor allem Progesteron, ergänzt durch etwas Östrogen. Progesteron stabilisiert die Gebärmutterschleimhaut und bereitet sie auf eine mögliche Einnistung vor. Außerdem hebt es die Basaltemperatur um etwa 0,2 bis 0,5 °C an, was sich bei der Temperaturmessung als Sprung zeigt.

Diese Phase ist beim selben Menschen erstaunlich konstant. Sie dauert meist etwa 12 bis 14 Tage, die Spanne reicht ungefähr von 10 bis 16 Tagen (NHS). In der Auswertung von Bull et al. (2019) lag der Mittelwert bei 12,4 Tagen. Findet keine Befruchtung statt, löst sich der Gelbkörper auf, Progesteron und Östrogen fallen ab, und die nächste Menstruation beginnt. Genau diese Stabilität macht die Lutealphase zum nützlichen Ankerpunkt: Wer seinen Eisprung kennt, kann den Beginn der nächsten Periode meist gut abschätzen. Umgekehrt ist die Vorhersage des Eisprungs aus dem Kalender heraus deutlich unsicherer.

Viele kennen die zweite Zyklushälfte auch wegen des prämenstruellen Syndroms. Brustspannen, Reizbarkeit, Wassereinlagerungen oder Heißhunger fallen häufig in die Tage kurz vor der Blutung, wenn die Hormonspiegel wieder absinken.

Die vier Phasen im Überblick

Die folgende Tabelle fasst zusammen, was in jeder Phase passiert. Die Tagesangaben beziehen sich auf einen Modell-Zyklus von 28 Tagen und verschieben sich bei kürzeren oder längeren Zyklen entsprechend.

Phase Tage (28er-Zyklus) Leitendes Hormon Was im Körper passiert
Menstruation Tag 1 bis 5 niedrig (Abfall) Schleimhaut wird abgestoßen, FSH beginnt zu steigen
Follikelphase Tag 1 bis 13 Östrogen steigt Follikel reift, Schleimhaut baut sich auf, Schleim wird durchlässig
Ovulation um Tag 14 LH-Anstieg Eisprung, Eizelle 12 bis 24 Stunden befruchtungsfähig
Lutealphase Tag 15 bis 28 Progesteron Gelbkörper aktiv, Temperatur erhöht, Schleimhaut stabilisiert

Die Hormone nacheinander

Drei Hormone bestimmen den Rhythmus, und sie greifen in einer festen Reihenfolge ein. Erst treibt FSH die Reifung der Follikel an, dann steigt Östrogen, der LH-Anstieg zündet den Eisprung, und Progesteron prägt die zweite Hälfte. Verschiebt sich der Eisprung, verschieben sich alle folgenden Schritte mit.

2–7 Tage

Menstruation

Quelle: NHS

24–36 Std

LH-Anstieg bis Eisprung

12,4 Tage

Lutealphase im Mittel

Quelle: Bull et al. 2019

Ein konkretes Beispiel

Nehmen wir an, jemand hat im Schnitt einen 30-Tage-Zyklus. Rechnerisch läge der Eisprung dann an Tag 16 (30 minus 14). In diesem Monat zeigt ein LH-Test den Anstieg aber erst an Tag 17. Dann findet der Eisprung etwa an Tag 18 statt, also zwei Tage später als gerechnet und nicht an Tag 14. Mit einer Lutealphase von 14 Tagen käme die nächste Blutung dann um Tag 33, also später als die erwarteten 30 Tage. Hätte sich diese Person blind auf die Tag-14-Regel verlassen, hätte sie ihr fruchtbares Fenster um mehrere Tage verschätzt. Das zeigt, warum reine Kalenderwerte mit Vorsicht zu genießen sind.

Was du aus den vier Phasen mitnehmen kannst

Wer die vier Phasen versteht, liest seinen Zyklus nicht mehr als zufällige Aneinanderreihung von Tagen, sondern als hormonelle Geschichte mit klarer Dramaturgie. Die Menstruation ist der Neustart, die Follikelphase der variable Aufbau, der Eisprung der Wendepunkt und die Lutealphase die stabile Abschlussphase. Diese Logik erklärt, warum sich Energie, Stimmung und Körpergefühl im Lauf eines Zyklus verändern und warum die Vorhersage des Eisprungs grundsätzlich unsicherer bleibt als die Vorhersage der nächsten Blutung. Ein Rechner kann dir diese Struktur sichtbar machen. Die letzte Sicherheit über deinen Körper gibt dir aber nur die Beobachtung über mehrere Zyklen hinweg und im Zweifel das Gespräch mit einer Fachperson.

Häufige Fragen

Wie viele Phasen hat der Menstruationszyklus?

Der Zyklus wird üblicherweise in vier Phasen eingeteilt: Menstruationsphase (etwa Tag 1 bis 5), Follikelphase (bis zum Eisprung), Ovulation (Eisprung, bei einem 28-Tage-Zyklus um Tag 14) und Lutealphase (meist etwa 12 bis 14 Tage bis zur nächsten Blutung).

Welches Hormon löst den Eisprung aus?

Ein steiler Anstieg des luteinisierenden Hormons (LH-Anstieg) löst rund 24 bis 36 Stunden später den Eisprung aus. Davor sorgt steigendes Östrogen für den Aufbau der Gebärmutterschleimhaut und den fruchtbaren Zervixschleim.

Warum ist die Lutealphase so konstant lang?

Nach dem Eisprung produziert der Gelbkörper meist etwa 12 bis 14 Tage lang Progesteron, die Spanne reicht ungefähr von 10 bis 16 Tagen. Diese Phase ist bei den meisten Menschen relativ stabil, während die Follikelphase davor stärker schwankt und so die Gesamtlänge des Zyklus bestimmt.

Quellen

Jan-Tristan Rudat

Über die Autorenschaft

Jan-Tristan Rudat

Redakteur zyklus-berechnen.de

Themengebiet: Zyklusphasen, Hormone, Einordnung der Zykluslänge

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