Phasen
Die vier Zyklusphasen: von der Menstruation bis zur Lutealphase
Menstruation, Follikelphase, Eisprung und Lutealphase verständlich erklärt: Was Östrogen, LH und Progesteron im Körper bewirken und wie sich die Phasen anfühlen.
Inhalt
Der Menstruationszyklus ist kein Schalter, der monatlich umgelegt wird, sondern ein fein abgestimmtes Wechselspiel aus drei Hormonen. Von der ersten Blutung bis kurz vor der nächsten verändern sich Gebärmutterschleimhaut, Eierstöcke und sogar das Körpergefühl in einem nachvollziehbaren Muster. Wer dieses Muster kennt, versteht besser, warum sich manche Tage anders anfühlen als andere und warum ein Zyklusrechner nur Wahrscheinlichkeiten und keine Gewissheiten liefern kann. In diesem Artikel gehen wir die vier Phasen der Reihe nach durch: Menstruation, Follikelphase, Ovulation und Lutealphase.
Phase 1: Die Menstruationsphase (etwa Tag 1 bis 5)
Der erste Tag der Blutung ist per Definition Tag 1 des Zyklus. Das klingt zunächst widersprüchlich, weil die Periode wie ein Ende wirkt. Aus hormoneller Sicht ist sie aber ein Neuanfang: Weil im vorangegangenen Zyklus keine Einnistung stattfand, fallen Östrogen und Progesteron ab, und die zuvor aufgebaute Gebärmutterschleimhaut wird abgestoßen. Genau das ist die Menstruation.
Die Blutung dauert bei den meisten Menschen drei bis sieben Tage. Der gesamte Blutverlust liegt dabei meist im Bereich von etwa 30 bis 80 Millilitern, auch wenn er subjektiv nach deutlich mehr aussieht. In dieser Phase sind die Hormonspiegel niedrig, viele berichten von einem Energietief, Unterleibskrämpfen oder einem erhöhten Ruhebedürfnis. Gleichzeitig beginnt im Hintergrund bereits die nächste Reifungsrunde: Die Hirnanhangsdrüse schüttet das follikelstimulierende Hormon (FSH) aus und regt mehrere Eibläschen in den Eierstöcken zum Wachsen an.
Phase 2: Die Follikelphase (bis zum Eisprung)
Die Follikelphase überlappt zeitlich mit der Menstruation und reicht bis zum Eisprung. Sie ist nach den Follikeln benannt, den flüssigkeitsgefüllten Eibläschen, in denen je eine Eizelle heranreift. Unter dem Einfluss von FSH wachsen anfangs mehrere Follikel, doch in der Regel setzt sich einer durch, der dominante Follikel. Die übrigen bilden sich zurück.
Der reifende Follikel produziert zunehmend Östrogen. Dieses Hormon ist der eigentliche Motor der ersten Zyklushälfte. Östrogen baut die Gebärmutterschleimhaut wieder auf, verändert den Zervixschleim hin zu einer spinnbaren, durchlässigen Konsistenz und sorgt bei vielen für mehr Antrieb und bessere Stimmung. Die Follikelphase ist auch der Teil des Zyklus mit der größten Schwankungsbreite. Sie kann bei kürzeren Zyklen knapp eine Woche dauern, bei längeren deutlich über zwei Wochen.
Phase 3: Die Ovulation (der Eisprung, oft um die Zyklusmitte)
Wenn der Östrogenspiegel einen Schwellenwert überschreitet, kippt die Steuerung: Die Hirnanhangsdrüse antwortet mit einem steilen Anstieg des luteinisierenden Hormons, dem sogenannten LH-Anstieg. Rund 24 bis 36 Stunden nach diesem Anstieg platzt der reife Follikel und gibt die Eizelle frei. Das ist der Eisprung.
Die Eizelle ist danach nur etwa 12 bis 24 Stunden befruchtungsfähig. Weil Spermien im günstigen Zervixschleim aber mehrere Tage überleben können, erstreckt sich das fruchtbare Fenster über mehrere Tage vor dem Eisprung bis kurz danach. Manche bemerken den Eisprung als kurzen, einseitigen Ziehschmerz, den sogenannten Mittelschmerz, oder an einer kleinen Veränderung des Zervixschleims. Verlässlich spürbar ist er aber nicht.
Nicht der Kalender bestimmt den Eisprung, sondern die Hormone. Der Kalender kann ihn nur schätzen.
Ein häufiges Missverständnis ist die Annahme, der Eisprung finde immer an Tag 14 statt. Das gilt nur als grobe Faustregel für einen idealisierten 28-Tage-Zyklus. Tatsächlich liegt er individuell deutlich früher oder später. Genau deshalb arbeitet ein Zyklusrechner mit Durchschnittswerten und kann das tatsächliche Datum nur näherungsweise treffen.
Phase 4: Die Lutealphase (rund 12 bis 14 Tage)
Nach dem Eisprung verwandelt sich der zurückgebliebene Follikel in den Gelbkörper, lateinisch corpus luteum, daher der Name Lutealphase. Der Gelbkörper produziert nun vor allem Progesteron, ergänzt durch etwas Östrogen. Progesteron stabilisiert die Gebärmutterschleimhaut und bereitet sie auf eine mögliche Einnistung vor. Außerdem hebt es die Basaltemperatur um einige Zehntelgrad an, was sich bei der Temperaturmessung als deutlicher Sprung zeigt.
Diese Phase ist beim selben Menschen erstaunlich konstant. Sie dauert in den allermeisten Fällen 12 bis 14 Tage. Findet keine Befruchtung statt, löst sich der Gelbkörper auf, Progesteron und Östrogen fallen ab, und die nächste Menstruation beginnt. Genau diese Stabilität macht die Lutealphase zum nützlichen Ankerpunkt: Wer seinen Eisprung kennt, kann den Beginn der nächsten Periode meist gut abschätzen. Umgekehrt ist die Vorhersage des Eisprungs aus dem Kalender heraus deutlich unsicherer.
Viele kennen die zweite Zyklushälfte auch wegen des prämenstruellen Syndroms. Brustspannen, Reizbarkeit, Wassereinlagerungen oder Heißhunger fallen häufig in die Tage kurz vor der Blutung, wenn die Hormonspiegel wieder absinken.
Die vier Phasen im Überblick
Die folgende Tabelle fasst zusammen, was in jeder Phase passiert. Die Tagesangaben beziehen sich auf einen Modell-Zyklus von 28 Tagen und verschieben sich bei kürzeren oder längeren Zyklen entsprechend.
| Phase | Tage (28er-Zyklus) | Leitendes Hormon | Was im Körper passiert |
|---|---|---|---|
| Menstruation | Tag 1 bis 5 | niedrig (Abfall) | Schleimhaut wird abgestoßen, FSH beginnt zu steigen |
| Follikelphase | Tag 1 bis 13 | Östrogen steigt | Follikel reift, Schleimhaut baut sich auf, Schleim wird durchlässig |
| Ovulation | um Tag 14 | LH-Anstieg | Eisprung, Eizelle 12 bis 24 Stunden befruchtungsfähig |
| Lutealphase | Tag 15 bis 28 | Progesteron | Gelbkörper aktiv, Temperatur erhöht, Schleimhaut stabilisiert |
Der Hormonverlauf als Grafik
Drei Hormone bestimmen den Rhythmus, und sie erreichen ihre Höchstwerte zu unterschiedlichen Zeitpunkten. Die folgende Grafik zeigt vereinfacht, an welchem Zyklustag jedes Hormon typischerweise seinen Gipfel hat. Die Werte sind keine Messwerte, sondern dienen der Orientierung über die zeitliche Reihenfolge.
Gut zu erkennen ist die logische Kette: Erst treibt FSH die Reifung an, dann steigt Östrogen, der LH-Anstieg zündet den Eisprung, und Progesteron prägt die zweite Hälfte. Verschiebt sich der Eisprung, wandert die ganze rechte Seite mit.
3–7
Tage Menstruation
24–36 Std
LH-Anstieg bis Eisprung
12–14
Tage Lutealphase
Ein konkretes Beispiel
Nehmen wir an, jemand hat im Schnitt einen 30-Tage-Zyklus und beobachtet seinen LH-Anstieg an Tag 17. Dann findet der Eisprung etwa an Tag 18 statt, nicht an Tag 14. Rechnet man die stabile Lutealphase von rund 14 Tagen hinzu, landet man bei Tag 32 für die nächste Blutung, was gut zum längeren Zyklus passt. Hätte sich diese Person blind auf die Tag-14-Regel verlassen, hätte sie ihr fruchtbares Fenster um mehrere Tage verschätzt. Das zeigt, warum reine Kalenderwerte mit Vorsicht zu genießen sind.
Was du aus den vier Phasen mitnehmen kannst
Wer die vier Phasen versteht, liest seinen Zyklus nicht mehr als zufällige Aneinanderreihung von Tagen, sondern als hormonelle Geschichte mit klarer Dramaturgie. Die Menstruation ist der Neustart, die Follikelphase der variable Aufbau, der Eisprung der Wendepunkt und die Lutealphase die stabile Abschlussphase. Diese Logik erklärt, warum sich Energie, Stimmung und Körpergefühl im Lauf eines Zyklus verändern und warum die Vorhersage des Eisprungs grundsätzlich unsicherer bleibt als die Vorhersage der nächsten Blutung. Ein Rechner kann dir diese Struktur sichtbar machen. Die letzte Sicherheit über deinen Körper gibt dir aber nur die Beobachtung über mehrere Zyklen hinweg und im Zweifel das Gespräch mit einer Fachperson.
Häufige Fragen
Wie viele Phasen hat der Menstruationszyklus?
Der Zyklus wird üblicherweise in vier Phasen eingeteilt: Menstruationsphase (etwa Tag 1 bis 5), Follikelphase (bis zum Eisprung), Ovulation (Eisprung, oft um die Zyklusmitte) und Lutealphase (rund 12 bis 14 Tage bis zur nächsten Blutung).
Welches Hormon löst den Eisprung aus?
Ein steiler Anstieg des luteinisierenden Hormons (LH-Anstieg) löst rund 24 bis 36 Stunden später den Eisprung aus. Davor sorgt steigendes Östrogen für den Aufbau der Gebärmutterschleimhaut und den fruchtbaren Zervixschleim.
Warum ist die Lutealphase so konstant lang?
Nach dem Eisprung produziert der Gelbkörper etwa 12 bis 14 Tage lang Progesteron. Diese Phase ist bei den meisten Menschen relativ stabil, während die Follikelphase davor stärker schwankt und so die Gesamtlänge des Zyklus bestimmt.
Quellen
Über die Autorenschaft
Jan-Tristan Rudat
Redakteur zyklus-berechnen.de
Themengebiet: Zyklusphasen, Hormone, Einordnung der Zykluslänge
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